Mein persönlicher Weg aus ständigen Beziehungszweifeln heraus

Ich selbst kenne Beziehungszweifel (leider) nur zu gut. Ich war bisher in 3 langen Beziehungen und in jeder meiner Beziehungen habe ich dieses Muster nach gewisser Zeit immer wieder erlebt. Meistens war zu Beginn alles gut. Aber dann schlichen sich die Zweifel ein. In einer meiner Beziehungen waren die Zweifel auch von Beginn an da. Klar dachte ich, dass es irgendwann heißt: ich muss mich trennen, da führt kein Weg dran vorbei.

Aber je öfter mir dieses Muster (und vor allem in allen meiner langen Beziehungen) begegnet ist, umso mehr durfte ich mir eingestehen, dass dieses Muster einen ganz bestimmten gemeinsamen Nenner hatte… MICH.

Also habe ich mich auf den Weg gemacht, diese Anteile kennenzulernen und zu schauen, was sich wirklich dahinter verbirgt. Hier ein paar der Gedanken und ein paar der Anteile, denen ich auf diesem Weg des “Aufdröselns meines Musters” begegnet bin:

Part 1: Der Anteil, der gehen wollte und seine Muster

Erstens: Es ging hier gar nicht so sehr um die Beziehung und viel mehr darum, wer ich in der Beziehung war. Wer ich mir erlaubt habe, in der Beziehung zu sein. Denn ich habe mir in meiner Beziehung nicht erlaubt, mich wirklich frei auszudrücken. Wirklich ICH zu sein. Das hat sich meistens erst mit der Zeit eingeschlichen, wenn tiefere Bindungsmuster aktiv wurden. Das hieß im Grunde genommen, dass ich einen Teil von mir und meinen Wünschen zurückgehalten habe.

Zweitens: Sobald eine Beziehung eine gewisse Tiefe erreicht hat, sind bestimmte Muster in mir angesprungen, die mich dazu gebracht haben, in ganz starke Anpassung zu gehen. Wie mit meinen Eltern habe ich versucht, herauszufinden, was der andere von mir will, bin ins People Pleasing und Fawning gegangen und habe mich dabei selbst verlassen. Das hat mich irgendwann eingeholt. Hier beginnt emotionale Intimität, wenn wir aus der Anpassung herauskommen und lernen, was unsere eigentlichen Impulse, Wünsche und Reaktionen sind.

Drittens: Diese Anpassung hatte noch einen ganz sauren Beigeschmack. Dadurch, dass ein unterbewusster Teil in mir sich sicher war: “DU willst ja, dass ich mich so verhalte”, habe ich ihm die Schuld für mein inneres Eingesperrt-Fühlen gegeben und wurde wütend auf ihn. Dabei hatte er oftmals überhaupt keine Mitsprache, sondern all dies waren innere unbewusste Annahmen und Projektionen auf meinen Partner.

Viertens: Damit einhergehend hat sich die Beziehung dann irgendwann einfach ZU ENG angefühlt und ich dachte, ich müsste platzen. Die einzige Möglichkeit, die dieser innere Anteil kannte, war es, die Beziehung zu verlassen. “Erst DANN weiß ich wieder, wer ich bin”. Ich durfte also daran arbeiten, mich sicher darin zu fühlen, mit all meinen Gedanken, Gefühlen, Emotionen, ja und auch Zweifeln, DA zu sein.

Fünftens: Damit das überhaupt möglich war, musste ich mir eingestehen, dass ich ganz viele Dinge vor mir selbst zurückgehalten habe. Ich hatte Angst vor der Wahrheit. Ein Teil von mir wollte unbedingt wissen, was “die Antwort” ist. Der andere ist davor zurückgescheut, weil “ich dann ja alles ändern müsste”Ich hatte Angst, dass, wenn ich nur hinschaue, es bedeutet, dass mein ganzes Leben nun zerfällt. Daher habe ich mir das genaue Hinschauen so lange nicht erlaubt. Zweifeln war besser als in Aktion treten.

Part 2: Der Anteil, der sich so sehr danach gesehnt hat

Sechstens: Mir zu erlauben, eine Beziehung WIRKLICH von ganzem Herzen zu wollen, war etwas, was ich gar nicht kannte. Nur aus Fantasien über Menschen, die ich nicht wirklich kenne (haha). Also mit beiden Füßen drin zu sein, nicht nur zwischen Tür und Angel. Hier durfte ich die Schutzmauern um mein Herz kennenlernen, die alles und jeden auf sicherem Abstand gehalten haben. Ja, auch mich selbst. Hier durfte ich emotionale Intimität entstehen lassen. P.S. Wenn du insgeheim das Gefühl hast “ich komm schon ohne dich klar” – dann ist genau das für dich!

Ich dachte, tiefere therapeutische Arbeit dazu wäre nicht notwendig (“ich hab ja meine Tools”) und hatte auch Angst davor. Es würde ja auf jeden Fall darum gehen, ENDLICH die Entscheidung treffen zu können. Was ich nicht erwartet hatte, war es, dass ich MICH in diesem Prozess wirklich kennenlerne. Dass dieses Muster ein tieferer Ausdruck einer Angst vor Entscheidungen war, die sich auf mein ganzes Leben ausgewirkt hat. Dass ich eigentlich genau weiß, was ich will. Dass viele der zweifelnden Stimmen nicht wirklich meine sind, sondern übernommene innere Stimmen von meinen Eltern, die “besser wussten, was gut für mich ist”.

Dass unangenehme Gespräche mich so überfordert haben, dass Weglaufen die einzige Möglichkeit für mich war. Dass ich lernen durfte, meine eigene Seite weiter zu halten und für mich einzustehen. Dass nicht jede “Schwierigkeit” bedeutet, die Beziehung ist in Gefahr. Dass wir unterschiedliche Empfindungen zu Dingen haben können (nicht nur heimlich), sondern offen ausgesprochen. Dass das nicht direkt Trennung bedeutet. Dass meine Wut und Frustration nicht fehl am Platze waren, sondern genau DAS, was die Beziehung, was mein Partner gebraucht hat. (Nämlich MICH – wie ich wirklich bin!) Lies das nochmal!

Ich durfte an meiner Kapazität, komplexe Gefühle zu halten und zu fühlen arbeiten. Ich durfte daran arbeiten, dass sie offen da sein dürfen. Ich durfte lernen, dass Fehler machen dazu gehört, dass Verantwortung übernehmen dazu gehört, dass ich nicht perfekt bin und es niemals sein werde und dass das OK ist. Ich durfte lernen, dass ich so eine Angst hatte, verletzt zu werden, dass ich mich gar nicht richtig eingelassen habe (und dass sich das hinter Coolness und “ist mir doch egal” versteckt hat).

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