Was ich als Sexualtherapeutin über Romantasy-Bücher wie ACOTAR & Fourth Wing denke

Erstmal vorab:
Ich liebe sie! Absolute Lese-Empfehlung. UND… hier ein paar wichtige Nuancen 👇
(Wenn du dich an dieser Stelle fragst, von welchen Büchern ich spreche — ich meine alle Büchern-Reihen von Sarah J. Maas (A Court of Thorns and Roses, Throne of Glass, Crescent City) oder auch Fourth Wing von Rebecca Yarros und auch Bücher von Jennifer L. Armentrout.)

Zuerst einmal — Was ich sehr positiv finde:

– Sexuelle Grenzen werden deutlich mehr geehrt. Es wird mehr eingecheckt, wenn es um Konsens zu Sex geht.
– Sex wird (zumindest wenn es das erste Mal ist) auf später verlegt, wenn einer der beiden nicht ganz klar bei Sinnen oder nüchtern ist — Yay!!

Ich glaube das allein ist so ein wunderbares Vorbild. Dass wir darauf achten, dass beide ihren vollen Konsens geben können für Sex und Intimität. Dass nachgefragt wird.

Auch super positiv:
– Der Fokus ist auf der Pleasure BEIDER. 
– Zu Beginn tatsächlich vor allem auf der Pleasure der Frau. 
– Danach kann auch die Protagonistin es immer kaum erwarten, ihren Partner ebenso zu erfreuen. 

Ich finde diese Gegenseitigkeit hier ebenfalls super schön als Inspiration!

Hier ein paar Dinge, wo ich gerne auch eine weitere Seite aufzeigen mag:
Sex wird in diesen Büchern oft sehr einseitig dargestellt — im Sinne von:

– Beide haben eigentlich IMMER Lust.
– Es geht meist DIREKT hart & tief – selten sanft.
– Sanfter Sex kommt, wenn überhaupt, erst später in der Beziehung.

Blockaden, Unsicherheiten oder „keine Lust“ tauchen dort eigentlich nie auf. Und keine Frage, es macht Sinn, dass man darüber nicht unbedingt lesen will. Das kann auf der einen Seite auch so gut sein für unser Unterbewusstsein, um zu sehen, was möglich ist! Es kann aber auch zu schmerzhaften Vergleichen führen, wenn wir selbst anders ticken.

Was ich auch spannend finde: Fast immer ist der erste sexuelle Kontakt Oralverkehr. Die Frau wird verwöhnt. Und sie ist in jedem der Bücher sofort „ready“, direkt beim allerersten intimen Moment. (Und kommt auch immer zum Höhepunkt.)

Das ist Hammer für die Fantasie (und für einige von uns total stimmig) – UND das muss nicht automatisch deine Realität sein (und kann u.U. Druck ausüben, wenn unsere Körper länger brauchen, wir mehr emotionale Sicherheit benötigen, uns nicht so schnell öffnen wollen oder selten Orgasmen haben.)

Wenn du diese Art von Intimität liebst — enjoy!! ❤️‍🔥
Wenn sie dich inspiriert — that’s the spirit! 👌


Wenn es dich aber einschüchtert oder dir das Gefühl gibt, „nicht mithalten“ zu können → das macht total Sinn!
Viele von uns verlieren sich, wenn es direkt im „schneller-härter-mehr“-Style losgeht. Und es kann ein falsches Bild aufzeigen, dass Intimität immer genau so beginnen oder aussehen muss.

Denn genau dieses Narrativ kennen wir auch aus vielen Filmen:
Der erste Kuss führt meistens direkt dazu, sich fanatisch die Klamotten vom Leib zu reißen.
Ja, das gibt es. Aber: es gibt so viele Personen, für die das einfach nicht passt. 

Deshalb meine liebevolle Erinnerung an dich: Nichts ist falsch mit dir, wenn du anders tickst.
❤️ Vertraue deinem Tempo.
❤️ Deinen Instinkten.
❤️ Deiner Lust.
Du bist nicht prüde, nur weil du Grenzen hast. Du bist nicht prüde, wenn du Zeit brauchst.

Fazit
Die Bücher sind der Hammer, um unsere Fantasie anzuregen. ✨ Sie lassen Sex und Intimität oft sehr leicht erscheinen. Der Fokus auf Pleasure beider ist definitiv da. Und wir bekommen ein starkes Modell dafür, wie es sich anfühlen und klingen kann, wenn zwei Menschen (oder besser gesagt Fae oder Vampire 😅) wirkliche Lust aufeinander haben. Wenn wir das von uns selbst nicht so gut kennen, kann das eine riesige Inspiration sein! Dafür feiere ich die Bücher absolut!

Und — wie bei allen Medien — dürfen wir uns daran erinnern: das ist keine Abbildung vom „normalen“ Alltag, sondern eine fantasiereiche Auszeit, in der alles spicy, juicy und easy läuft. Und ich möchte noch betonen:

Langsamkeit ist nicht nur vor dem Sex wertvoll (das wird in manchen Büchern mittlerweile mehr gezeigt), sondern auch währenddessen. Sanftheit, Pausen, Zeit nehmen – all das darf genauso erfüllend und sexy sein wie das Wilde und Leidenschaftliche. 💗



Dies ist mein Blickwinkel auf die Bücher aus der Perspektive einer Sexualtherapeutin, die viel mit Frauen arbeitet, die Schwierigkeiten haben, sich sexuell wirklich zu spüren, Lust zu haben und die (sexuelle) Traumata in sich tragen. Das Narrativ, dass wir immer direkt “ready und offen” sein müssen für Sex und dass dies die einzige (richtige) Art und Weise ist, sehe ich als problematisch an. Das wird in diesen Büchern natürlich so auch nicht gesagt. Aber dadurch, dass bei fast allen Sex-Szenen und häufig auch bei jedem ersten Mal an intimem Kontakt direkt Ausdrücke genutzt werden wie „he slammed back, right to the hilt“ oder, dass Sex nie sanft ist “nie bei uns” lässt mich doch aufhorchen und darauf hinweisen wollen, dass die sexuelle Annäherung doch deutlich sanfter stattfinden *kann* (nicht muss) und das für viele Personen (Frauen, Männer, non-binäre Personen) genauso die sexuelle Erfüllung ist (wenn nicht sogar noch mehr).



P.S.: Wenn dich meine Arbeit interessiert, schau dir gerne oben alle meine Links und Angebote an. Melde dich auf jeden Fall auf für meinen Newsletter an. Und wenn du dich in meinen Worten wiederfinden kannst und dir einen liebevollen, sanften, präsenten, traumasensiblen Zugang zu deiner Sexualität wünschst, dann schau dir auch gerne ganz spezifisch meinen Kurs The Groundwork an.






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